morgen is Klimademo – Plakate zu verschenken

hingehen, laut sein, lieber jetzt was machen, als in 20 Jahren ne Zeitmaschine wünschen

hier zwei Demoplakate in A3 zum Mitnehmen

bunt strahliger Hintergrund auf dem ein gelber Kreisflicken "genäht" ist. Darauf steht in dunkelblauer Schrift "Wir sind jung und brauchen die Welt"

 

 

 

 

 

 

druckfähige PDF „Wir sind jung und brauchen die Welt“

roter Hintergrund auf dem in dunkelroter Schrift steht "Es wird wärmer und wärmer und wärmer und wärmer (ganz oft wiederholt, alles ist damit voll)". Davor ist ein Spiegelei, bei dem die Erde das Eigelb ist, Davor steht in dunkelroter Schrift "Stop it! Kohleausstieg jetzt!" auf gelben Grund

 

 

 

 

 

 

druckfähige PDF „Stop it! Kohleausstieg jetzt!“

 

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Fundstücke #68

“Mein Gott bist du nervig und narzisstisch” Das war ein Kommentar kurz vor Ende einer Kommentardiskussion, die wir auf der Podcast-Webseite hatten.
Ach ja, diese eine Person, die es nicht müde wird, zu versuchen uns mit sowas zu treffen. Sie ist immer noch da und geht auch nicht weg. Wie eingetretene Hundescheiße im Wanderschuh.

Ich habe darüber nachgedacht, wieso Menschen solche Kommentare machen. Also “wieso wieso”.
Ich weiß, es geht darum zu verletzen, vielleicht auch zu zerstören, aber das ist ja nur das, was bei mir ankommt.
“Wieso wieso” meint, wieso _so_. Wieso damit. Wieso greift die Person etwas auf, das vor 3 Jahren etwas war, worunter ich gelitten habe, weil es in einer Gewaltsituation benutzt wurde, um sich mir gegenüber zu erhöhen, damit Abstand zu schaffen und das “professionelle Distanz” nennen zu dürfen.
Wieso denkt sie sich nicht selbst etwas aus. Wieso bleibt sie an mir kleben, hört nicht auf, geht nicht weg – bin ich ihr nervig, weil sie nicht von mir weg kann? Das ist alles total mysteriös und auch ein bisschen witzig. Leider. Ich will gar nicht so arrogant sein, aber tja. Bin ichs halt doch in dem Punkt.

Es ist witzig, weil es so widersprüchlich ist. Und der Witz ist vermutlich einer, den nur ich witzig finde, aber das ist ja auch nicht neu. Kann ich mit leben, kichere ich halt für mich allein über etwas, das ich allein witzig finde. Man kann das lesen, als spräche mich jemand mit „mein Gott“ an und trüge mir gleichzeitig Narzissmus vor.
Da ist jemand, die_r nicht will, dass ich da bin und deshalb kommt sie_r immer wieder zu mir.
Ich finde das witzig und glaube Loriot hätte darüber sicher einen Sketch machen können, der die Nation zum Schreien bringt.

Natürlich will ichs nicht weglachen.
Dazu sind Widersprüche einfach meistens zu ernst und haben in der Regel eine Wirkung, die dazu beiträgt, dass sich Dinge nicht verändern. Aber was soll sich denn hier verändern? Und inwiefern?

Wenn Menschen mich, uns, nervig finden, dann ist das ein Fakt. Wenn sie glauben, ich, wir, wären narzisstisch, dann ist das auch ein Fakt. Es sind einfach leider nur Fakten, mit denen allein sie etwas anfangen können. Und ja auch wollen, wie man an solchen Kommentaren sieht.
Ich kann damit nichts anfangen, kann nichts grundlegendes verändern, denn ich bin einfach nicht immer nervig und narzisstische Anwandlungen habe ich auch nur dann und wann. Wenn ich mal so bin, dann gefällts mir selber nicht und ich tue was dagegen. Das heißt: die Veränderung ist meinem Leben schon immanent. Auch ohne, dass mich jemand dahingehend bearbeitet oder an mir zu schrauben versucht.

Und das ist doch interessant. Dass das so ist, aber Hater an sowas scheinbar nicht denken. Sich vielleicht nicht einmal vorstellen können, wie man 24/7 mit sich selbst lebt, sich selbst ab und an auch mal reflektiert und verändert.
Das ist doch hochspannend.
Denn es zeigt, wie sehr man für solche Leute einfach nur Abziehbild ist, das sie anblöken, es sei wie es sei, weil es gar nicht anders sein kann. Like literally – ein Bild ist nur ein Bild. Das kann nur sein wie es ist.

Ich habe aber auch darüber nachgedacht, ob solche Leute diese Dinge vielleicht auch immer nur als Schnörkel aufschreiben. Vielleicht ist ihnen ja doch bewusst, dass sie objektifizieren und also entmenschlichen. Vielleicht dienen solche Sprüche nur als Geste der Verschleierung.
Das wäre logisch, denn wo Gewalt ist, ist auch immer Verschleierung. Und sei es vor sich selbst, um sich vor dem Bewusstsein darum zu schützen, dass man jemand ist, die_r (neben vielen anderen Dingen) auch Gewalt ausübt.

Zukunftsmusikdisco

Als ich mich für ein Brot mit Erdbeermarmelade entscheide, wird der Regen in weißen Streifen durch die Luft gewogt. Als sich die Marmelade gerade in das weiche Margarinenbett kuscheln will, kommt die Sonne raus. Es ist hell und strahlend, der rote Bobbel vor mir leuchtet wie ein Stück Theatereingeweide.

Ich lass es liegen. Werd schon nicht verhungern.
Was mach ich jetzt. Nichts mach ich.
Die Langeweile zieht mich vor Netflix. Die Schwangerschaft mit unserem Buch hält uns da. Oder vor dem Wolkehaushalt in die Sims3. Nicht denken, nicht machen. Einfach nur so durchfischeln. Das geht. Meistens. Oft genug.

Die Dinge in unserem Leben jetzt, sind alle nicht spruchreif. So viel Zukunftsmusik, dass mir die Ohren klingeln und der eingeigelte Stummtaubblindverkrümel zu werden, ist oft das einzige, was wirklich hilft.
Alles was wir für diese Zukunft wollen, können wir nicht einfach entscheiden. Wann ausziehen, wann umgezogen sein – der Freund muss mitreden, hat eigene Dinger am Laufen, braucht auch Sicherheiten. Nicht so einfach. Alles muss daran angepasst werden. Das ist wie noch einmal 5 Lautstärkestufen rauf mit der Zukunftsmusik unter der das Knacken und Knirschen unserer Anpassungsprobleme unhörbar werden. Alles eine Frage der Kommunikation. Schwierig so auf die Distanz.

Am Donnerstagmorgen hatte ich Erdbeermarmeladenbrot und abends den Brief mit der Begründung für eine Namensänderung in der Hand. Wir fuhren sehr spät nachts noch mit dem Rad hin, um ihn einzuwerfen, aber dann doch nicht.
Bist du wirklich sicher? wummerte die Zukunft mit grellen Lichtblitzen auf mich ein. Ich bin nicht sicher. Ich bins nicht, ich werds nie sein. Zukunft, das ist die falsche Frage. Es geht nicht darum, wie sicher ich mir bin, es geht darum, wie sicher ich mir bin, damit umgehen zu können, wenn Dinge nicht so richtig klappen. Oder völlig anders als gedacht. Frag mich, wie bereit ich dafür bin, daran zu arbeiten, dass es so wird, wie ich mir das vorgestellt habe. Frag mich nach meiner Kompromissbereitschaft. Frag mich, ob ich dich mögen werd, auch wenn du mir weder grüne Wiesen im Sonnenschein noch Fettlebe mit Zuckerguss zu bieten hast.
Zukunft, wenn du so fragst, dann ich will dich bitten mir aus dem Weg zu gehen. und das hatten wir doch schon so oft. Wir wissen beide, dass das nicht geht.

Am Freitag klebte ich eine Grüffelo-Briefmarke auf den Antrag und warf ihn in einen Briefkasten.
Fuhr nach Hause. Kochte Süßkartoffelsuppe. Draußen regnete es und drinnen fragte ich mich, ob das Buch denn wohl bald fertig gedruckt ist.
Dann schaltete ich den PC ein, um nach Familie Wolke zu sehen.
Um mich herum Zukunftsmusikdisco.

zum DID-Awareness-Day

Klingt komisch. Awareness-Day.
Ein Bewusstseinstag für eine “Erkrankung”, die so vieles unbewusst bleiben lässt.
Und irgendwie auch schlimmer wird, je mehr Bewusstsein für sie entsteht.

Die dissoziative Identitäts”störung” ist mehr als ein psychiatrisches Krankheitsbild von besonders dispositionierten Individuen.
Sie ist auch eine soziale Diagnose, denn die Ursachen sind überwiegend soziale Akte.
Misshandlung, Vernachlässigung, emotionale Grausamkeit, sadistische Quälerei, sexualisierte Ausbeutung, psychische Manipulation, jahrelang anhaltende latente Lebensgefahr, Folter. Zum Beispiel.
Das liest man schnell mal so weg und die Abstraktion der Begriffe geht soweit, dass sie die Menschen darin oft mitnimmt. Der soziale Akt, die Menschlichkeit, die auch Gewaltbereitschaft, Lust an Gewaltausübung, Selbsterhöhung durch Erniedrigung anderer enthält.

Ein Bewusstseinstag für DIS kann nicht nur ein Tag sein, an dem man sagt: Guck mal hier, das gibts!
Das wäre zu wenig, auch wenn es für die meisten Menschen dann doch wieder zu viel ist.

Mit dem Bewusstsein für Menschen wie uns, für Menschen, deren Identitätsstruktur von dissoziativen Brüchen definiert ist, kommt die Konfrontation mit der eigenen Dissoziation.
Der Dissoziation, die vor dem Bewusstsein schützt, dass die Welt auch ein gefährlicher, schlimmer, schlechter grauenhafter, moralisch abstoßender, erschreckender, bestialischer Ort sein kann. Jederzeit und genau jetzt für so viele Menschen, die sich zu diesem Zeitpunkt absolut schutzlos darin befinden.
Die Dissoziation um die Wahrheit, dass es wahr ist, wenn Menschen über Menschen sagen, dass sie das gefährlichste Lebewesen auf der Welt sind.
Die Dissoziation um die Realität der Überlebenden. Um die relative Nähe zueinander.

Ich halte es für problematisch nicht auch dafür Bewusstsein herzustellen.
Denn allein das Wissen um eine Problematik, Erkrankung, Störung reicht nicht, um Umgänge zu finden oder Ideen um Fragen nach Heilung, nach Rehabilitation, nach Verarbeitung zu diskutieren.
Nicht alle Menschen mit DIS sehen sich als krank. Wir sind einer davon. Deshalb nennen wir es Identitätsstruktur, sprechen von “Traumafolgen” oder “Traumafolgeproblemen”.

Die Diagnosekriterien der DIS sagen uns nur, dass wir gesehen und erkannt, eingeordnet und klassifiziert werden können. Das bedeutet: die Diagnose validiert uns aufgrund dessen, was jemand außen verstanden und anerkannt hat.  Es geht dabei um uns, wie wir “wir” sind. Dass wir da sind und uns als Ichs im Leben eines Einsmenschen erleben.
Es geht nicht um die Flashbacks, es geht nicht um dissoziative Phänomene wie Krampfanfälle, Sinnesausfälle, Depersonalisation, Derealisation. Es geht nicht um Angst, nicht um Depressionen. Es geht nicht um die Isolation unter Menschen, deren Identität so grundlegend anders strukturiert ist.
Nicht einmal gestreift wird dieser Aspekt des Lebens in einer Gesellschaft, die jene Umstände zulässt, aus denen wir hervorgegangen sind, und kollektiv an der Aufrechterhaltung der Dissoziation dazu arbeitet. Nie gedacht an den Verrat, den das auch bedeutet.

Die Diagnose selbst ist das Ergebnis dieser kollektiven Gewaltdissoziation.
Es gäbe eine völlig andere Struktur der Hilfen, der Forschung, der Heilungsdiskurse, wäre das nicht so.
Es erscheint so vielen Menschen unvorstellbar, sich Menschen frei von Gewalt zu widmen, dass es noch mehr von ihnen undenkbar ist.
Wie soll man jemandem helfen, wenn man gar kein Doktor ist?
Hmm wenn die Person viele ist ach nee da soll mal lieber ein Profi dran – ein_e echte_r Psycholog_in am Besten!

Das ist Vermeidungsverhalten. Und zwar eins das an allen Ecken und Enden in unserer Gesellschaft nicht problematisiert wird. Es wird im Gegenteil sogar bestärkt, gestützt und als natürlich gegebene Funktionalität unserer Gesellschaft als Ganzes verhandelt.

Aber Menschen, die Viele sind, die bekommen solcherart Stützen nicht. Die versuchen das oft sehr lange und sehr aufwendig in ihrem Leben aufzubauen. Versuchen sich mehr oder weniger erfolgreich in ihre Wechsel und Brüche, ihre Vermeidungen, ihre Symptome und Schwierigkeiten hineinzuorganisieren, doch scheitern endgültig in dem Moment, in dem ihnen gesagt wird: “Das ist krank. Was du da machst, wie du bist, was du da erlebt hast und bis heute erlebst, das ist nicht normal.”
Obwohl es extrem normal ist. Es ist extrem normal Gewalt zu erleben. So viele Menschen erleben genau jetzt Gewalt. Genau jetzt, während du das hier liest, sterben Kinder an Gewalt, die ihnen angetan wurde. Genau jetzt überleben wer weiß wie viele Menschen Folter, Qual und Not.
Krank werden diese Überlebenden aber erst mit dem einordnenden Blick einer dazu legitimierten Macht.

Das ist wichtig zu verstehen.
Denn Viele zu sein bzw. mit einer dissoziativen Identitätsstruktur zu leben, ist keine Krankheit, sondern ein Zustand. Und zwar einer, der ganz natur_logisch eingebaut entstehen kann, wenn er nötig ist um zu überleben. Nichts daran ist krank oder falsch oder irgendwie künstlich.

Was krank und falsch ist ist, wenn die gleichen Leute, die das Erlebte entnormalisieren und das Gelebte pathologisieren sagen: “Wenn du normal sein willst und also unterstützt, versichert, heil und gut, dann offerieren wir dir diesen wunderbunten Strauß der Optionen, aus dem du frei* wählen kannst. Wenn du nichts wählst, ja dann kann dir auch niemand helfen. Selbst schuld. Stirbste halt doch vielleicht.” [*solche Entscheidungen sind niemals frei, denn in unserer Gesellschaft ist niemand frei]

Das hier soll kein Text sein, der dazu führt, dass man Therapien und Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen, die mit einer DIS leben, ablehnt oder für allesamt falsch erklärt.
Aber er soll dazu beitragen sich bewusst zu machen, dass das der Kosmos ist, in dem dieser Zustand nicht nur be- sondern auch verhandelt wird.

Spricht man über oder von DIS, dann nutzt man psychologische, psychiatrische, medizinische Modelle des Menschseins. Man bewegt sich in psychologischer, psychiatrischer, medizinischer Terminologie. Man denkt an die Möglichkeiten und Grenzen der Veränderung, man forscht und seziert die Mechanik der Psyche durch die Brille ganz spezifischer Deutungshoheiten über objektifizierte, also versachlichte, Subjekte.

Das ist ein ernstes Problem, denn es trägt nicht dazu bei, dass die ursächliche Gewalt nicht mehr passiert.
Es trägt nicht zu einem Verständnis der verschiedenen Lebensrealitäten der Betroffenen bei.
Es trägt einzig zur Einordnung, Klassifizierung, Erforschung und Veränderung des Zustands überlebender Individuen bei.
Das ist viel, ja, aber nicht alles.
Und längst nicht genug.

Das möchten wir in diesem Text bewusst machen.
Wir wissen, dass die meisten Leute lieber eine fesche Infografik wollen, irgendein witziges Meme, das verlinkt ist mit irgendeinem psychologischen Text, der sagt: “Ja, gibts wirklich. Ja, ist echt schlimm. Ja, muss man therapieren.”
Wir wissen, dass man den Überbau dazu lieber vermeiden will.
Deshalb machen wir das so und nicht anders.

Anders machen andere schon genug.
–> #DIDawarenessday (auf Twitter)
–> “Separating Fact from Fiction: An Empirical Examination of Six Myths About Dissociative Identity Disorder” (PDF aus der US national library of medicine der national institutes of health)
–> DID Research (amerikanische Info-Webseite)

Wenn ihr eine informative Seite habt oder kennt, könnt ihr sie gern in den Kommentaren teilen.

Fundstücke #67

Ich hab geträumt, dass unser Buch falsch gedruckt würde. Dass W. uns das Buch in die Hand drückt und dann ist es ein foliiertes Softcover, Klebebindung, bunt von oben bis unten mit Worten anderer Leute darüber bedruckt.
In meinem Traum ist die soziale Awkwardness der Realität drin und es genauso unangenehm. W. lächelt uns an, denkt, wir wollten das vielleicht doch so haben und wir wissen nicht, was wir jetzt machen sollen. Lächeln oder Enttäuschung, Verwirrung, Abstoß ausdrücken.
Ich wache nicht mal davon auf, so wenig fremd ist das meiner Realität.

Auch nicht, als ich dann später zu einem ominösen Sportunterricht soll, aber da wird nur in fancy Sportkleidung abgehangen und ich vergesse ständig meine Sportsachen. Und dann nehme ich mir eine Hose vom Zaun, die eine Umstandshose ist und sie passt mir. Der Abnerv um meinen Stressspeck – sogar der ist zu normal um aufzuwachen. Ich entscheide mich gegen den Speckhass. Mein Speck ist okay, was mich nervt ist meine Unbeweglichkeit. Und dagegen können wir ja was machen.  Auch ein normaler Alltagsgedanke.

Später ist da, wo der Sportunterricht sein soll, irgendeine Berühmtheit, die trans ist und zu trans Leuten spricht und alle sind ganz aufgeregt und ich schleiche durch das Haus, das vorne in einer Großstadt und hinten auf einer texanischen Ranch mit bunten Klofliesen und stylischer Gartenbeleuchtung ist, um ein Versteck für mich zu suchen, denn niemand weiß, dass ich nicht binär und damit auch unter den Schirm des Transbegriffs passe.
Das ist dann aber doch far too alltagsfern.
Ich merke, dass ich träume, bin aber auch neugierig auf die Berühmtheit und was sie wohl so erzählt. Ich bin in dem bunte Fliesen-Klo als die Berühmtheit reinkommt und im Schlepptau viele Leute hat. Da bin ich still und mach mich unsichtbar, höre zu und bin enttäuscht, weil die Berühmtheit nur sagt: Glaub an dich selbst, born this way blablabla
Ich denke, dass ich hier nicht heulen will.

Ich entscheide aufzuwachen und als ich wach bin, will ich mich damit trösten, dass ich ja träume und entscheiden könnte zu fliegen.

Fundstücke #66

Als ich in den Abend mit seiner lauen Luft hinaustrete, fällt es mir auf. Das jetzt ist ein Abend mit mir allein. Morgen, im Zug nach Frankfurt, zusammen mit vielen Fremden, bin ich allein.

Jetzt bin ich schon müde, morgen früh werd ich es noch sein, morgen abend wieder. Ich habe Zeit für mich und doch nur Müdigkeit zwischen Auge und Lid.

Die ganze Woche war ich unter Strom. Gleichstrom in der Schule, Wechselstrom wann immer nötig. Oder, abgenötigt. In der Therapiestunde war es um Strom gegangen. Der früher. Damals. Früher. Vielleicht so weit in der Vergangenheit, dass das Ereignis vom Lauf der Dinge längst kleingemahlen und versandet ist. Wer weiß das schon. Mir ist das nicht passiert. Damals.

Heute ist mir das passiert. Montagabend. Mein Körper, der mich einmal mehr verriet, dem es egal ist, was ich denke, will und wünsche, der reagierte einfach. Wie früher, wie immer, wie logisch nachvollziehbar, wenn man versteht, worauf er sich bezieht.

Als ich nach Hause kam, war NakNak* da und das durchschießende Zucken im Arm wurde zu einem kaum greifbaren Simmern am Knochen entlang. Ich aß, trank, kroch unter die schwere Decke, stellt mir vor, aus unruhigen Träumen als Pflanze mit Wurzeln bis 20.000 Meilen unter dem Meer zu erwachen. Geerdet.

Aufgewacht war ich aber flirrig. Wach wach überwach mit schweren Gliedern und blindem Geist. Reaktiv. Im Hyperarousel ab dem ersten Augenaufschlag.

Für die Schule war das gut. Nicht denken, – machen, das wird einfach mehr belohnt. Die Druckfahne von „aufgeschrieben“ ist jetzt endgültig bei der Druckerei. Frei_gegeben. Ab jetzt geht nichts mehr. Außer da dadurch. Mit dem Arsch auf Grundeis. Gut, wenn man nicht alles von dem mitkriegt, was es macht. Dieses mutig sein.

Zu Hause ist es still und kühl.
Die Heizung ist schon wieder kaputt. Aus der Therme tropft Wasser, für die Vermietergesellschaft ist das noch kein Notfall. Dass mir kalt wird, ist und bleibt. Dass ich so nicht allein sein sollte, mit mir, dem Strom und dem, was ich denken könnte, weil die Erinnerung gerade da ist wie ein Neugeborenes – nackt, hilflos, ein Bündel voller Bedürfnisse, die weder Aufschub erlauben, noch Zeit zum Verstehen lassen- das hat keinen Platz.

Ich hatte keine Zeit etwas aufzuschreiben. Keine Haut für mich selbst. Immer war da jemand oder etwas. Jetzt bin ich allein, jetzt schreibe ich Dinge auf. Jetzt müsste jemand da sein.